| ASS-END
OFFEND
Interview in Ox Fanzine #60 from Haan, Germany:
Provinz-Punks
ASS-END OFFEND (AEO)
ist der Name der Band, und sie kommen aus einer Ecke der USA, die wohl
kaum einer kennt: Aus dem äußersten Norden, aus Montana. Montana
war einst bekannt für seine Kupferminen, exportierte Holz und landwirtschaftliche
Produkte. Heute dagegen ist Montana eine entlegene, vergessene Ecke der
USA, geprägt von Landwirtschaft und mit einer schönen Landschaft,
aber in der Einkommensskala auf Platz 49 von 50 US-Bundesstaaten. Von
Ost nach West erstreckt sich Montana über beinahe 1.000 Kilometer,
aber weniger als eine Million Menschen leben da. AEO leben im alltäglichen
Horror dieser idyllischen Einsamkeit, in einer Gegend, die mit ihrem Bergpanorama
eher was für Ruheständler ist als für Leute, die eine Hardcore-Band
gründen wollen.
Obwohl vom Rest der USA geographisch isoliert, sind AEO seit ihrer Gründung
1999 schon mehrfach durch die USA getourt, haben in jedem Keller und Club
gespielt, der sie haben wollte, und sich dadurch eine kleine, loyale Fanbasis
erspielt. AEO spielen Hardcore, rauh und echt, und ihr Publikum weiß
zu schätzen, dass diese Band mit ihnen brüllt, nicht sie anschreit.
Und ganz so schlecht scheint die ländliche Abgeschiedenheit ihrer
Heimat auch nicht zu sein, denn sie schärft offensichtlich den Blick
für das Wesentliche, bewahrt davor, sich im Alltagsgeschäft
einer großstädtischen Szene aufzureiben. AEO haben gelernt,
in erster Linie auf sich selbst zu vertrauen, und das merkt man ihrer
Musik an, gibt ihnen einen ganz eigenen Blick auf die amerikanische Gesellschaft.
Ja, sie sind eine Band, die einen daran erinnert, warum man sich einst
für diese Musik begeisterte. AEO sind Brent Shultz (guitar, some
singing), Tom Elston (bass, vocals), Matt Svendsen (guitar, vocals) und
Dan Lawlor (drums).
Was hat es mit eurem
seltsamen Namen auf sich?
Tom: „Ich fand
den Namen schon immer witzig, so als Scherz. Und plötzlich war ich
dann in einer Band und wir hatten Platten raus mit diesem Namen drauf.“
Und was hat euch einst
zum Hardcore gebracht?
Tom: „Angefangen
hat das bei mir mit 14, als ich das erste Mal auf einem Skateboard stand.
Und ein Onkel kam aus dem Knast und gab mir ein Tape mit BLACK FLAG drauf.
Ich war hin und weg, und so nahm das eben seinen Lauf.“
Dan: „Ich interessierte mich damals für gar nichts, war nur
frustriert: Die Schule, das Leben in einer Kleinstadt. Dann stieß
ich auf Punk und Hardcore und alles wurde anders.“
Matt: „Skateboarding war bei mir auch der Ausgangspunkt, aber auch
übler Glam-Metal. Und ständiger Ärger mit Rednecks, Prolls
und Bullen.“
Brent: „Bei mir ging das in der High School los, ich war eben ein
kleiner Rebell. Und dann kamen die DEAD KENNEDYS, BLACK FLAG und CIRCLE
JERKS.“
Ihr kommt aus einer
kleinen Stadt am Arsch der Welt, warum sollte sich jemand aus New York
oder Los Angeles für euch interessieren?
Brent: „Ich
denke, wir sind einfach noch nicht so übersättigt und abgestumpft,
haben Texte über Themen, die anderen Bands nie in den Sinn kommen
würden.“
Tom: „Die Konzerte hier sind immer ein Gemeinschaftserlebnis, die
Bands spielen zusammen, nicht gegeneinander, es gibt keine Konkurrenz.“
Brent: „Manchmal ist unsere Herkunft ein Vorteil, macht Leute neugierig,
nach dem Motto ‚Really? There is music in Montana?‘ Die können
das immer kaum glauben.“
Tom: „‚Hardcore from Montana?‘ Das Fragezeichen ist
fast immer mit dabei.“
Wenn es eure Band
eines Tages mal nicht mehr gibt, was wollt ihr dann damit erreicht haben?
Dan: „Dass viele
Kids zu unseren Shows gekommen sind, die durch uns kapiert haben, dass
es ganz einfach ist, seine eigene Band zu gründen und auf diese Weise
lernen, sich selbst auszudrücken“
Tom: „Wenn du eigene Ideen hast und es dir wirklich ernst ist, dann
schaffst du es auch, eine Band zu gründen. Das muss nicht ambitioniert
sein, das klappt auch, wenn du aus einer Kleinstadt kommst, du must es
nur wollen, dann kannst du machen, was du willst.“
Matt: „Was bleibt, ist die D.I.Y.-Idee. Seine Platten selbst zu
machen macht einfach Spaß! Sein eigener Boss zu sein ist großartig,
auch wenn du manchmal ganz auf dich alleine gestellt bist.“
Apropos Kids: Ihr
habt selbst auch Kinder.
Matt: „Meine
Tochter ist acht, sie lebt in Seattle. Das einzige Foto, das sie von mir
hat, ist im CD-Booklet, und sie spielt die CD immer ihren Freundinnen
vor. Die mögen die Musik nicht, aber meine Kleine ist trotzdem stolz
auf mich. Ich glaube, sie versteht jetzt schon, dass es wichtig ist, seine
eigene Meinung zu haben, egal was andere denken.“
Brent: „Meine Tochter Sarah ist 12. Schon als ich klein war, habe
ich gerne Musik gehört, wohl weil meine Mutter ständig Musik
hörte. Meine Tochter ist auch so, und sie lernt jetzt Violine und
Bass. Sie ist echt musikalisch, das freut mich, und ich denke, das hat
sie wohl von mir.“
Tom: „Ja, und sie mag GOOD CHARLOTTE ...“
Brent: „Leider, ja. Aber unsere CD wohl auch, wobei ich gar nicht
so genau weiß, ob mir das so recht ist, in diesem Alter. Sie hat
jedenfalls schon Pläne, eine eigene Band zu gründen, ich bin
da mal gespannt.“
Ihr geht im Sommer
das erste Mal in Deutschland bzw. Europa auf Tour.
Brent: „Ja,
wir sind schon aufgeregt. Ich habe zwar keine Ahnung, was uns erwartet,
aber ich denke, es wird super.“
Tom: „Ich habe zwar im Internet schon ein bisschen recherchiert,
aber in echt ist das ja immer alles ganz anders. Ich bin jedenfalls super
gespannt, was uns erwartet.“
Brent: „Und hey, mein Nachname ist Shultz, ich habe da wohl eine
besondere Beziehung zu Deutschland.“
Tom: „Jaaa! Und ich will endlich Bier in Zimmertemperatur trinken!
Sonst noch was?
Dan: „Ich hoffe,
während der Tour lösen sich die USA auf und wir müssen
alle in Europa bleiben.“
Tom: „Dank an Josh Vanek von unserem Label Wantage USA) und allen
anderen, die uns geholfen haben, vor allem Niki. Und natürlich den
Leuten, die beim ‚Punk Rock Prom‘ waren, einem Benefiz-Konzert,
das $2.400 brachte, das Geld, mit dem wir jetzt auf Europatour gehen.“
Rick Stoddart (Übersetzung:
Joachim Hiller)
www.assendoffend.com
© by OX-FANZINE / Ausgabe 60
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